Samstag, 20. Januar 2018

Rezension: Das Schneemädchen von Eowyn Ivey

Das Schneemädchen

von Eowyn Ivey

Im Original: The Snow Child
übersetzt von: Claudia Arlinghaus; Martina Tichy; Margarete Längsfeld
Genre: historischer Roman
Setting: Wolverine, Alaska 1920

Verlag: Rowohlt - Kindler
Seitenzahl: 464
Hardcover: 19,95 €
Taschenbuch: 9,99 €
Ebook: 9,99 €
1. Auflage: Sept 2012


"In jener Nacht war ihnen ein Kind geboren worden,
aus Eis und Schnee und Sehnsucht." S. 247


Klappentext

Alaska in den 1920er Jahren: In dem Wunsch, neu anzufangen, zieht das kinderlose Paar Mabel und Jack nach Alaska. Das harte Leben in der Wildnis setzt den unerfahrenen Neusiedlern sehr zu. Mit dem ersten Schneefall überkommt die beiden jedoch ein schon verloren geglaubter Übermut, und sie bauen zusammen ein Kind aus Schnee. Tags darauf entdecken sie zum ersten Mal das feenhafte blonde Mädchen zwischen den Bäumen am Waldrand. Woher kommt das Kind? Wie kann es allein in der Wildnis überleben? Und was hat es mit den kleinen Fußspuren auf sich, die von Mabels und Jacks Blockhaus wegführen?




Buchtrailer bei youtube





Meine Meinung
 
Realität oder Fiktion? Traum oder Wirklichkeit? Mit diesen Wahrnehmungen spielt die Autorin auf eine sehr sanfte und sensible Weise, die einen perfekten Kontrast zu der harten und rauen Umgebung im unwirtlichen, kalten Norden Alaskas ergibt. 

Mabel und Jack, ein Paar, das auf eine ganz besondere Art mein Herz verzaubert hat, denn wäre ich ihnen tatsächlich begegnet, glaube ich nicht, dass sie mir auf den ersten Blick sympathisch gewesen wären. Sie sind sehr ungewöhnlich, auch wenn ihr Charakter viel Persönlichkeit widerspiegelt, die man vielleicht auch in Details von sich selber kennt. Trotz ihrer eigenwilligen Art hab ich sie aber im Lauf der Geschichte ins Herz geschlossen.
Sie haben keine Kinder, was für Jack, aber vor allem auch für Mabel ein extremer "Makel" ist. Der Sinn ihres Lebens bleibt ihr verwehrt und sie überredet Jack, einen Neuanfang in Alaska zu wagen. Ein Leben zu zweit, ein einfaches, karges Leben, aber etwas, das ihnen beiden gehört. 

Dabei läuft nicht alles so, wie sie es sich vorgestellt haben. Denn auch wenn Mabel vor allem vor der ständigen Konfrontation mit der schwangeren Verwandtschaft und mitleidigen Blicken flüchtet, nimmt sie ihre unerfüllte Sehnsucht mit in die Einsamkeit der kleinen Hütte. Kontakt haben die beiden kaum zu den anderen wenigen Bewohnern der nicht weit entfernten Stadt Alpine und so schleicht sich immer mehr Schwermut in ihre Herzen, was sie voreinander aber nicht zugeben können. Vor allem die Unfähigkeit der beiden, aufeinander zuzugehen und sich zu öffnen, was sich zwar zu dieser Zeit sicher häufig in Ehen abgespielt hat, aber sicher heute auch noch oft der Fall ist, war irgendwie tragisch und berührend.
Gerade diese Atmosphäre der Melancholie hat die Autorin wirklich wunderbar getroffen und mit leisen, intensiven Tönen in Bilder verwandelt. Obwohl diese Geschichte das langsame Tempo braucht und auch perfekt zum Schauplatz und den Gegebenheiten passt, hätte ich mir manchmal ein etwas schnelleres Vorankommen gewünscht.

Das Schneemädchen ist eine wirklich wundervolle Idee, bei der man nie wirklich weiß, wie real sie tatsächlich ist. Dieses Mädchen, dass den Winter liebt und sich nur im Schnee zuhause fühlt, die sich scheinbar ohne Probleme in der Wildnis zurechtfindet und sich nur den beiden alten Eheleuten zeigt. Die Autorin hat hier einen guten Kniff angewendet, denn die Dialoge mit ihr werden nie in Anführungszeichen gesetzt, als ob sich diese Gespräche nur in Köpfen abspielen würden. Aber lasst euch hier selbst überraschen, wie sich das alles auflösen wird.
Ihre Begegnung belebt jedenfalls das triste Dasein von Jack und Mabel, die sich fast schon in ihrer Hoffnungslosigkeit verloren hätten. Die Sinnlosigkeit und das Gefühl, des Lebens müde zu sein, scheint wie weggewischt, aber sie haben noch viel durchzustehen, denn das Schneemädchen hat seine Geheimnisse, die eine gewisse Magie oder Mystik beinhalten. Ein altes, russisches Märchen spielt dabei eine große Rolle und ich bin beim Lesen oft geschwankt, wie nah die Ereignisse an der Wirklichkeit sind.

Erzählt wird die Geschichte hauptsächlich aus Jack und Mabels Perspektive, wobei man ziemlich genau ihre Ängste und Hoffnungen spürt und wie sie sich trotz aller Widrigkeiten durch ihre Liebe immer wieder zusammenraufen. Hier wird sehr schön deutlich, wie man ungeachtet der Meinungsverschiedenheiten, den gereizten Stimmungen oder auch dem mürrischen Schweigen zusammenwachsen kann, wenn man alles gemeinsam durchsteht.

Ein wirklich besonderes Buch, in dem die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Glauben verschwimmen und einem bewegende Momente beschert, die mich mit den Figuren hautnah mitfühlen ließen.



Bewertung

http://blog4aleshanee.blogspot.de/search/label/4%2F5%20Sonnen

Idee/Thematik: ✮✮✮✮✮
Originalität: ✮✮✮✮✮
  Schreibstil/Aufbau: ✮✮✮✮
Tempo: ✮✮✮
Logik: ✮✮✮✮
 Charaktere: ✮✮✮✮✮
 Atmosphäre: ✮✮✮✮✮
Lesespaß: ✮✮✮✮✰


© Aleshanee


Ebenfalls rezensiert von





Über die Autorin: Eowyn Ivey wuchs in Alaska auf, wo sie noch heute mit ihrem Mann und zwei Töchtern lebt. Sie studierte Journalismus und kreatives Schreiben und arbeitete zehn Jahre lang als preisgekrönte Redakteurin und Buchhändlerin. Ihr Debüt "Das Schneemädchen" war international ein großer Erfolg und wurde für den Pulitzer Preis nominiert. "Das Leuchten am Rand der Welt" ist ihr zweiter Roman.
Quelle: Rowohlt Verlag

Im August 2017 erschienen:

Winter, 1885. Lieutenant Allen Forrester erhält den Auftrag seines Lebens: er soll im Namen der U.S. Armee den Wolverine River in Alaska erforschen. Seine Expedition verspricht endlich Erkenntnisse über diesen geheimnisvollen, unerforschten Landstrich, doch niemand vermag vorauszusehen, was Allen und seine Männer dort erwartet.
Seine junge Frau Sophie lässt Allen in Vancouver zurück – sie ist schwanger. Leidenschaftich gern hätte die Naturkundlerin ihren Mann in die Wildnis begleitet. Was sie jedoch nicht ahnt: Die Zeit der Trennung wird ihr ebenso viel Mut abfordern wie ihrem Ehemann.



Kommentare:

  1. Hallo Aleshanee,

    ich fand dieses Buch bezaubernd! Stimmt, ein bisschen mehr Tempo hätte die Geschichte vertragen können. Trotzdem ist es für den Winter die perfekte Lektüre! :)

    Liebe Grüße,
    Nicole

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    1. Das passt wirklich genau jetzt in diese Zeit, wenns draußen kalt und weiß ist - ja, bei uns hat es auch endlich geschneit! Besonders schön find ich ja diesen "Spagat" zwischen Realität und Fiktion, das hat die Autorin wirklich sehr gut getroffen

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  2. Hallo Liebes,

    ich war ja sehr neugierig auf deine Rezension.
    Auch ich empfand dieses Buch als etwas besonderes! Vielen Dank auch fürs Verlinken ♥

    Liebe Grüße
    Charleen

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    1. Gerne!
      Auf jeden Fall, die Thematik ist ja nicht einfach, aber diese Schwermut nach dem unerfüllten Kinderwunsch ist wirklich wunderbar beschrieben und gerade auch das Schwanken zwischen der Erfüllung ihres Traums und der Wirklichkeit, das war total spannend und großartig erzählt :)

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  3. Awwww das klingt wirklich schön, das landet gleich mal auf meiner Wunschliste =)

    Liebste Grüße

    Vivka

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    1. Das freut mich :)
      Ich bin sicher, dass dir das Buch gefallen wird ♥

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  4. Uh, das klingt überzeugend gut. Glaub das Buch behalte ich mal im Auge :)

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    1. Auf jeden Fall! Bin gespannt wie es dir dann gefällt, sollte es bei dir einziehen :)

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  5. Bei mir ist es zwar schon einige Jahre her, dass ich dieses Buch gelesen habe (das war mein erstes Buch über Vorablesen 2012), aber ich weiß noch, dass ich auch ziemlich gefesselt war von der Geschichte.
    Gerade das Ruhige und die Langsamkeit der Geschichte haben mir sehr gut gefallen.

    Liebe Grüße
    Silke

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    1. Diese Gemächlichkeit passt auf jeden Fall zur Geschichte - zum Alter der Protas und natürlich zum Schauplatz in dieser eisigen Einöde! Aber so ein bisschen mehr Tempo hätte ich mir an manchen Stellen dann doch gewünscht; aber das sind wirklich Kleinigkeiten, insgesamt hat es mir wirklich super gefallen :)

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