Freitag, 28. Juli 2017

Rezension: Der englische Botaniker von Nicole C. Vosseler

Der englische Botaniker

von Nicole C. Vosseler

Genre: Historischer Roman

Verlag: Harper Collins
Seitenzahl: 500
Hardcover: 22,00 €
Ebook: 16,99 €

1. Auflage: Mai 2017






"Geschichten keimen aus Körnchen von Tatsachen.
Geschichten wachsen und gedeihen unter den Elementen der Möglichkeit, 
im weiten Feld grenzenloser Vorstellungskraft. 
Treiben fantastisch anmutende Blüten und tragen Früchte von eigener Wahrhaftigkeit.
Wie diese Geschichte, die sich zugetragen und doch nicht zugetragen hat.
Damals." Erste Sätze


Klappentext
 

London, 1843: Sie nannten ihn das „Grüne Gold" – Tee. Und Robert Fortune, der englische Botaniker, soll ihn für die Horticultural Society aus China in die westliche Welt bringen. Während zu Hause Frau und Sohn auf ihn warten, begibt sich der verschlossene Wissenschaftler auf eine gefährliche Reise ins Reich der Mitte. Doch durch die Bekanntschaft mit dem Schwertmädchen Lian nimmt die Expedition eine verstörend sinnliche Wendung. Die in Kampfkunst geschulte ebenso mutige wie fragile  Rebellin lehrt ihn nicht nur Pflanzen und Tee zu kategorisieren. Sie öffnet auch den Weg zu seinem Herzen.



Meine Meinung
 

Mich hat das Cover vom ersten Moment an für sich eingenommen. Eigentlich ist es ja recht unscheinbar und trotzdem - die Farben find ich irgendwie toll und hab mir dann auch einige Rezensionen dazu durchgelesen; was soll ich sagen: meine Neugier war geweckt!

Der Klappentext hat mich etwas in die Irre geführt, ich ging davon aus, dass man erstmal in London auf die Charaktere und Hintergründe eingeführt wird. Doch die Autorin macht das viel geschickter!
Robert Fortune ist schon auf dem Weg nach China und aus seiner Sichtweise erfährt man alles über ihn - erst sehr verhalten, aber dann immer tiefgehender. Dabei wechselt sich die Erzählung mit Lian ab, dem Schwertmädchen, das zufällig seinen Weg kreuzt und aus der Ich-Perspektive einen ganz anderen Blickwinkel zeigt. 
Besonders gekonnt sind die Gedanken von Roberts Frau Jane, die immer wieder zwischendurch einfließen und die Veränderung zum Tragen bringt, die sich durch die lange Trennung nicht vermeiden lässt.

Am Kapitelanfang erfährt man, wo sich Robert Fortune gerade aufhält, auch die Pflanzen die er findet werden sehr akribisch geschrieben und mit lateinischen Namen untermalt - aber ich fand es noch im zumutbaren Bereich, auch wenn auch weniger gereicht hätte. 
Ansonsten bin ich in dem Schreibstil regelrecht versunken! So unglaublich bildhaft, sanft und doch eindringlich, dass ich das Buch wirklich kaum aus der Hand legen konnte. Die Handlung an sich, wie er auf der Suche nach Pflanzen ist, gibt an sich nicht viel her: wenn nicht diese großartige Charakterstudie von diesen drei Figuren wäre! 

Robert ist an sich ein glücklich verheirateter Mann, der seine Frau und seine beiden Kinder über alles liebt. Er ist zielstrebig, hält sich an Regeln und seine Verlässlichkeit ist ihm in Fleisch und Blut übergegangen. Die Reise aber verändert ihn und mit seiner ruhigen, bedächtigen Art wandelt er sich immer mehr in einen Entdecker, der auch vor Risiken und Abenteuer nicht zurückschreckt. Das alles aber immer in einer ganz besonders intensiven Atmosphäre, in einer gemessenen Weise, die mich total in den Bann gezogen hat. 

"Wenn ich das hier sehe ... dann bin ich einfach zufrieden. Zufrieden, dies zu erleben.
Etwas dazuzulernen, jeden einzelnen Tag. Einfach ... zu sein." S. 246

Auch Lian ist eine ganz besondere Persönlichkeit, die mich total fasziniert hat. Die historischen Zusammenhänge sind hier von großer Bedeutung, gerade wenn es um die weibliche Rolle in Asien geht und zeigt sehr behutsam wie eindringlich, wie stark sie innerlich ist. Wie sehr sie dagegen kämpfen musste und es immer noch tut, um ihren eigenen Weg zu finden.

"Begegnete ich anderen Menschen auf meinem Weg, überfiel mich Scheu, umso mehr,
je verlassener die Gegend war. Die Scheu eines Menschen, der das Alleinsein liebt.
Dessen Zuhause die Einsamkeit ist." S. 46 


Und natürlich Jane, Roberts Frau, die in weiter Ferne ebenfalls versucht, sich den neuen Umständen anzupassen. Ihr Part ist hier eher gering und dennoch nicht unbedeutend und gerade diese kurzen Abschnitte haben ein gelungenes Bild gezeichnet.

Eingehüllt in die Vergangenheit Chinas geht es um die Freiheit, um den Mut sich einer völlig neuen Welt zu öffnen, Veränderungen zu wagen und sich selbst neu zu entdecken. Dabei ist es auch noch gespickt mit kleinen Weisheiten, die großes Aussagen und viel bewirken können - wenn man sich einen Moment Zeit nimmt, um sich damit auseinander zu setzen. 
Ein farbenprächtiges Sinnbild der damaligen Zeit, eine Hommage an die Natur und die Tiefe der Gefühle, die man in sich trägt. Momente zum Innehalten und sich treiben lassen in einer ausladenden Kulisse und zwei Weggefährten, deren Schicksal zu einer tiefgreifenden Entscheidung führen wird. 

Unerwähnt lassen möchte ich nicht Wang, den Führer von Robert, der mich mit seiner hochtrabenden, ereifernden Art köstlich amüsiert hat!


Zusammengefasst
 

Thematik: Der Mut, über sich selbst hinauszuwachsen und sich Neuem zu öffnen
Schreibstil: Spielerisch, mit einer gewissen Tiefe - dabei anmutig, mit einer hoffnungsfrohen Schwermütigkeit
Charaktere: durchweg faszinierend mit tiefen Einblicken und großen Veränderungen
Spannung: das fesselnde war hier vor allem der perfekte Einklang, allerdings ohne große Spannungsbögen
Umsetzung: Intensive Sogwirkung durch den großartig inszenierten Aufbau der Geschichte


Bewertung 
 http://blog4aleshanee.blogspot.de/search/label/5%20Sonnen


© Aleshanee


Vielen Dank an Harper Collins für das Rezensions Exemplar




Über die Autorin: Nicole C. Vosseler wurde 1972 in Villingen-Schwenningen geboren und studierte nach dem Abitur Literaturwissenschaft und Psychologie in Tübingen und in Konstanz, wo sie heute – mit Blick auf den Bodensee – lebt. Mit ihrem Bestseller „Sterne über Sansibar“ gilt sie als Mitbegründerin des Love and Landscape-Genres und ist darüber hinaus erfolgreiche Autorin von Jugendbüchern. Ihre Bücher wurden bereits in acht Sprachen übersetzt.
Vosseler, die selbst einmal im Jahr eine Fernreise unternimmt und sich dabei gern als „Food-Ethnologin“ unter Beweis stellt, hat mit „Der englische Botaniker“ wieder eine neue Gattung definiert: den magisch-sinnlichen Abenteuerroman.
Quelle: Harper Collins Verlag


Kommentare:

  1. Huhu,

    von der Autorin habe ich "In dieser ganz besonderen Nacht" gelesen udn fand den Schreibstil und die Details einfach nur klasse. Hier finde ich das Cover genauso wie du, richtig klasse allerdings ist die Thematik nicht so meins ;-).

    Liebe Grüße,
    Vanessa

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    1. Tjaaa, die Thematik war eigentlich auch nicht meins :D
      Aber die Rezis dazu hatten mich neugierig gemacht und ich habs wirklich nicht bereut.
      Aber auch das Buch ist speziell und wenn man den Stil nicht mag, wird man wahrscheinlich auch die Geschichte nicht mögen.

      Mich hats einfach eingesaugt und ich glaube, sie hätte auch über Staubsauger oder Bettwäsche schreiben können, ich wäre trotzdem fasziniert gewesen *lach*

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  2. Freut mich, dass dir dieser wundervolle Roman auch so gut gefallen hat, liebe Aleshanee. Mich hat das Buch ja auch begeistert, und ich mag den Schreibstil der Autorin sowieso sehr gerne. Bisher hat mich noch keines ihrer Bücher enttäuscht.
    Ein schönes Wochenende wünscht dir
    Susanne

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  3. Hi :)
    Die Autorin kannte ich noch garnicht. Lohnt sich wohl einen Blick mehr darauf zu werfen :-)
    Danke für die Rezension

    Gruß
    Alex

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    1. Mir war die Autorin auch total neu - ihre Genrerichtung lese ich ja auch eigentlich nicht, das sieht alles zu sehr nach Liebesroman aus ^^ Aber wenn der Schreibstil so überzeugend und besonders ist, dann geht sowas auch mal :)

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  4. Oh man... okay... meine Wunschliste wächst schon wieder xD. Das klingt nach einem wirklich schönen Buch und so begeistert wie du darüber schreibst, muss ich ihm wohl mal einen genaueren Blick gönnen :). Wundervoll rezensiert, wie immer ^^.

    Liebe Grüße
    Insi Eule

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    1. Dankeschön ♥

      Es ist wirklich ganz anders als das, was ich sonst lese - und von der Handlung her eigentlich gar nicht meins. Aber wie gesagt,der Schreibstil ist einfach wunderschön, also für mich :D Ich konnte da wirklich gar nicht mehr aufhören.
      Falls du es liest bin ich wirklich gespannt, ob du das auch so siehst!

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  5. Jawohl, super, dass dir der Titel so gut gefallen hat! Ich habe ihn ja auch schon länger ins Auge gefasst :) Jetzt bin ich endgültig überzeugt, dass ich das Buch versuchen möchte. Vor allem brauche ich auf meinem Lesemenü wieder ein bisschen hisorische Schmankerl.

    Schönen Lesesonntag!

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    1. Also ein "historisches Schmankerl" ist das auf alle Fälle :)
      Freut mich sehr, dass du es auch lesen möchtest, ich hoffe, dass es dich genauso begeistern wird!

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