Dienstag, 6. Dezember 2016

Rezension: Der Dornengarten von Eva Wahrburg

 
Der Dornengarten
von Eva Wahrburg

Genre: Historischer Roman

Verlag: edition a
Seitenzahl: 448
Taschenbuch: 14,90 €
ebook: 10,90 €

1. Auflage: Okt 2016





Zum Inhalt

 
1824

Maria von Eschweih ist in einem bizarren Käfig voller Glaubensfesseln aufgewachsen, in dem eine Frau nichts zählt und Demut und Strafen an der Tagesordnung stehen. Selbst 12 Jahre nach dem Tod ihres Ziehvaters ist sie noch immer in ihren eigenen Selbstzweifeln gefangen und verbringt ihre Tage einsam mit den Übersetzungen von Bibeltexten.

Doch alles ändert sich, als der Restaurator Herwegh auftaucht. Er soll in der Kapelle ein Fresko wiederherstellen und fällt der Hausherrin sofort durch seine ruppige und düstere Art negativ auf. Auch sein Verhältnis zu Frauen scheint äußerst rigoros und herabschauend zu sein - aber die beiden haben ein Geheimnis, das sie verbindet und je mehr es an die Oberfläche steigt, umso mehr Licht erreicht ihr einsames Leben - bis die Vergangenheit sie wieder einholt.

Meine Meinung
 

Wow! Mir fehlen wirklich die Worte für dieses Buch, weil es mich so überrascht hat und so unfassbar ungewöhnlich und fesselnd war, dass ich gar nicht weiß, wie ich es euch beschreiben soll! Ich hatte eine einfache Geschichte dahinter erwartet, einen typischen historischen Roman mit ein bisschen Liebe - und soviel mehr bekommen!

Die Atmosphäre ist von Anfang an sehr einnehmend. Die Einsamkeit der Gutsherrin Maria von Eschweih wirkt bedrückend und berührend. In jedem Wort und auch zwischen den Zeilen spürt man sehr genau, wie schwierig das Leben für sie ist und dass sie sich mit ihrem tragischen Schicksal eigentlich schon abgefunden hat.
Auch wenn man manches vielleicht nicht so recht nachvollziehen kann, wie sie denkt und fühlt, nähert man sich ihr immer mehr an, weil man nach und nach erfährt, wie die Vergangenheit sie geprägt hat. Die Wandlung, die sie durchmacht, geht nur langsam voran, doch es wirkt in keinem Moment so, als würde man auf der Stelle treten. Die Trostlosigkeit im Herzen von Maria und auch innerhalb der düsteren Mauern ihres Heimes sind ständig spürbar.

"Stattdessen hatte ich mich an meine Einsamkeit gewöhnt; 
sie war meine Freundin geworden, das Einzige, das sicher war - ..." S. 17

Vor allem der Schreibstil ist hier unglaublich gut an die Zeit angepasst, dabei ungewöhnlich ernst, aber mit viel Hingabe, dass es einfach eine Freude zu lesen ist. Eva Wahrburg vermittelt so viel Detailreichtum und Hintergrundwissen, philosophische Fragen und Metaphorismen, die ein perfekt inszeniertes Bild schaffen und viel zum Nachdenken anregen. Über mich selbst, über die Wahrnehmung, über die Vorurteile anderer gegenüber und wie sehr man sich vereinnahmen lässt von den Altlasten unserer Vergangenheit.
Aber auch über das damalige Leben, den Alltag, die Religion und die Schwierigkeiten, sich als Frau durchzusetzen geben dem ganzen eine authentische Note. 

Die andere prägnante Figur ist Herwegh, der als roher und brutaler Kerl von Anfang an einen schlechten Stand hat. Allerdings zeigt auch er von sich nur eine Fassade, hinter die man immer wieder einen Blick werfen darf. Wahre Abgründe tun sich da auf und machen deutlich, wie sehr vergangene Ereignisse einen Menschen prägen und in eine Richtung entwickeln lassen, die man nur schwer wieder verlassen kann; auch wenn man es noch so gerne möchte. Nur ab und an blitzt für andere sichtbar der wahre Kern durch, den er vor allen anderen vorsorglich versteckt hält.

"Es gibt viele Quellen der Verbitterung. Die Tragik ist, dass die meisten nie versiegen.
Man muss einfach aufhören, willentlich daraus zu schöpfen." S. 138

Menschliche Verhaltensweisen und die Suche nach Liebe stehen hier im Mittelpunkt in einer großartig beschriebenen Kulisse, in die ich wahrhaft eingetaucht bin und alles mit Genuss und ohne Hetze lesen wollte. Der Stempel "Historischer Roman" ist hier definitiv zu wenig, denn man bekommt eine unglaublich intensive Geschichte menschlicher Tragik, die mir noch lange in meinen Gedanken hängenbleiben wird.


Fazit
 

Meine Worte sind viel zu wenig für dieses fantastische Werk, dass mir in all seiner unscheinbaren Dramatik und der fesselnden Atmosphäre sehr zu Herzen gegangen ist. Das Schicksal der zwei Hauptfiguren ist so essenziell, dass ich es wirklich jedem ans Herz legen möchte, es einmal damit zu versuchen.



Bewertung
 
http://blog4aleshanee.blogspot.de/search/label/5%20Sonnen


*Highlight*


© Aleshanee

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Über die Autorin: Eva Wahrburg wurde in Tschenstochau, der Stadt der Schwarzen Madonna in Polen, geboren, und wuchs bei Hamburg auf. Sie fühlte sich dort fremd und freundete sich eher mit Figuren aus Büchern als mit Menschen an. Sie lebt und arbeitet in einem Haus im Wald.
Quelle: edition a Verlag

Kommentare:

  1. Huhu Alex :)

    tolle Rezi, man spürt deine Begeisterung für dieses Buch in jeder Zeile. Aber obwohl ich mich ja sonst immer sehr gerne von dir anfixen lasse, kriege ich gerade keinen Draht zu dem Buch :/... Ich werde es aber mal im Hinterkopf behalten, wenn du es schon so nachdrücklich empfiehlst ;). Vielleicht läuft es mir ja irgendwann über den Weg und spricht dann zu mir, dann darf es auch einziehen ;D.

    Liebe Grüße
    Insi Eule

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    Antworten
    1. Das ist echt schade! Aber da kann man nix machen - vielleicht läuft es dir ja wirklich noch mal über den Weg ;)

      Ich finds nur so schade, dass das Buch kaum bekannt ist. Für Fans in dem Genre wäre das nämlich wirklich eine Perle ♥

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  2. Hallo Alex,
    deine Rezension macht wirklich Lust darauf dieses Buch zu lesen. Das Cover ist sehr schlicht, aber deine Beschreibung lässt auf ein Werk schließen, dass man lesen sollte.

    Liebe Grüße
    Jean

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  3. Hallo Liebe Alexandra,
    Deine Rezension ist wunderbar!
    Danke für deine Empfehlung zu diesem wundervollen Buch :)
    Habe jetzt auch meine Rezension dazu fertig geschrieben, die ist ab morgen auf meinem Blog.

    Liebe Grüße Larissa von http://bucherliebe-hoch-zwei.blogspot.de/

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